WAZ, 09. Januar 2007

"Schlager von anno dazumal" - Schellack & Co huldigt der Musik der 20er, 30er und 40er Jahre

"Altmodisch und von gestern." Wem dieser Stempel aufgedrückt wird, der dürfte im Normalfall alles andere als glücklich damit sein. Doch für rund 20 Sängerinnen und Sänger ist dies ein Kompliment, sie sind mit Herzenslust altmodisch - und nicht nur von gestern, sondern von vorgestern. Das ist quasi ihr Programm, denn der Chor "Schellack & Co" huldigt der Musik der 20er, 30er und 40er Jahre.

Theo Mackeben, Franz Grothe, Michael Jary oder Peter Kreuder - diese Komponisten sind ihre Vorbilder. Auf ihrer persönlichen Hitparade finden sich Titel wie "Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst", "In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine", "Der Onkel Jonathan" oder "Kaffeklatsch bei Tante Lienchen".

"Wir finden die Musik, die Texte toll. Das ist für uns einfach zeitlos", schwärmt Dr. Gundi Buchholz, die vor vier Jahren mit fünf anderen Begeisterten des Schellack-Ensemble gründete.

Die ersten beiden Jahre waren geprägt von Grundlagenarbeit. Die Stimmen wollten für das Repertoire gebildet werden. Zum leichten Augenzwinkern der Schellack-Schätzchen passt es, dass mit Ardelan Jannati ein Iraner dem Ensemble deutsche Gassenhauer des frühen 20. Jahrhunderts nahe brachte.

"Wobei wir nicht nur die bekannten Schlager singen", unterstreicht Buchholz. Der Chor ist ständig auf der Suche nach Liedern, die es nicht zum Evergreen gebracht haben. Die Suche beschränkt sich nicht allein auf das Liedgut. Buchholz: "Wir recherchieren in der gesamten Epoche. So wissen wir, in welchem Kontext die Songs entstanden sind." Beispiel: Im Repertoire findet sich eine Reihe von Songs, die geprägt sind vom technischen Fortschritt der damaligen Zeit.

Der Chor singt alle Stücke nach dem Original-Klavierauszug ihrer Entstehungszeit, Arrangeur Ralf Wolter hat sie für Duette, Trios, Quartette und den Chor arrangiert. Mit Texten von Kästner, Tucholsky und Kaleko verknüpft der Chor Musik und Literatur.

Seit dem vergangenen Jahr stehen die "Schellacks" immer häufiger auf der Bühne. Die Zeitreise wäre nicht perfekt, trügen die Sänger nicht die passenden Kostüme. Manche sind aus dem Second-Hand-Laden, andere haben selbst Kleid oder Anzug geschneidert - das Internet liefert Originalschnittmuster.

Auch wenn "Schellack & Co" nicht knistert wie ein altes Grammophon, die Zuhörer seien regelmäßig begeistert, berichtet Buchholz. Bei den Konzerten machte sie eine erstaunliche Beobachtung: Das Publikum ist nicht alt, genug Mitglieder der Generation Golf beigeistern sich für die Schlager von anno dazumal. So verwandelt sich "altmodisch und von gestern" in ein großes Lob.

 
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